Richtig repariert 1 - FLÜCKIGER AG blechschaden.ch

Direkt zum Seiteninhalt

RICHTIG REPARIERT FALL 1


Eine Diskussionen kann es bei der Entscheidung geben, ob eine im Bereich des Radlaufes beschädigte Seitenwand mittels Push-Pull ausgebeult oder ersetzt wird.

Letzteres kostet einige Tausend Franken mehr. Entsprechend anspruchsvoll ist die Entscheidung. Je nach Schadenort wird bei der Push-Pull Technik durch das Aufschweissen der Bits die Verklebung weiter geschädigt.

Handelt es sich um ein Fahrzeug in Mischbauweise (Radlauf Aluminium / Seitenwand Stahl oder umgekehrt) muss bei einer Beschädigung das Risiko einer Bimetallkorrosion (auch Kontaktkorrosion oder galvanische Korrosion genannt) in Betracht gezogen werden. Wenn Feuchtigkeit in den Zwischenraum eintreten kann, entwickelt sich eine sogenannt galvanische Zelle.

Besteht beispielsweise der Radkasten aus Aluminium, baut sich dieses aufgrund des tieferen Potentialwertes in der Spannungsreihe elektrochemisch ab. Langfristig wird das Fahrzeug sicherheitstechnisch beeinträchtigt.

Wenn sich die Verklebung nur sehr minim gelöst hat, muss der Fachmann situativ beurteilen und definieren, ob ein Ausbeulen möglich ist. Damit ein Ausbeulen in Betracht gezogen werden kann, muss die Zugänglichkeit auf beiden Seiten gewährleistet sein. So muss die lose Stelle im Innenraum mit Hohlraumkonservierung hermetisch (luftdicht) abgeschlossen werden können. Im Aussenbereich (Überlappung Seitenwand / Radkasten) muss mittels einer Kittnaht für dauerhaften Schutz gesorgt werden. Die Stelle sollte, je nach Situation, von Zeit zu Zeit kontrolliert werden.

Deformierte Seitenwand. Bereits durch den Schaden wurde die Verklebung in einem Bereich von mehreren Zentimetern gelöst. Wir haben die Deformation zwecks Demonstration mittels Push-Pull zurückgeformt. Dabei hat sich die Verklebung auf einer Fläche von 30 cm gelöst. In diesem Fall muss die Seitenwand für eine hochwertige Instandsetzung zweifelsfrei ersetzt werden.

Der Schadenbereich wurde mittels der Push-Pull Methode rückgeformt

Die Verklebung hat sich zwischen den roten Linien über eine Länge von 30 cm gelöst

Durch das «Fenster» sieht man, dass sich die Verklebung vollständig gelöst hat

Durch Druck kann man erkennen, dass die Bördelkante lose ist (Video gross machen)

Aus dem Radkasten wird Luft zwischen Seitenwand und Radlauf im Bereich der Bördelkante geblasen. Man sieht gut, dass keine Verbindung zwischen den beiden Blechen mehr besteht (Video gross machen, Ton einschalten)
Zusammenfassung

Der gewählte Reparaturprozess war im konkreten Fall richtig. Das Fahrzeug war zum Zeitpunkt des Schadens drei Jahre alt. Automobile haben im Durchschnitt eine Lebensdauer von 18 Jahren (Verweis 1).

Die Kosten für die korrekte Reparatur sind höher als eine Instandsetzung mit Push-Pull.

Die korrekte Beurteilung ist anspruchsvoll. Es braucht Erfahrung und umfangreiche Kenntnisse von Konstruktion und Technik. Nicht sichtbare Beschädigungen müssen berücksichtigt werden (Verweis 3).

Je älter das Fahrzeug, desto kürzer ist die zu erwartende Restlebensdauer (gilt nicht bei sehr hochpreisigen Fahrzeugen im Premiumsegment, z.B. Porsche 911). Daher ist es unter Umständen möglich, bei älteren Fahrzeugen Varianten in der Ausführung in Betracht zu ziehen. Dabei darf die Sicherheit jedoch nicht beeinträchtigt werden.

Aufgrund der Krafteinwirkung wurde ein Teil der Verklebung gelöst. Ein grösserer Teil wird durch das Herausziehen gelöst. Das Herausziehen ist also falsch, da die strukturelle Verklebung weiter geschwächt wird.

Als zweckmässige Instandsetzung ist eine sanfte Rückformung (ohne Aufschweissen von Bits und nachfolgender Beschädigung durch das Ziehen!) und anschliessendem Auffüllen mit Zinnersatz möglich. Zinnersatz auf Epoxyharz-Basis unterscheidet sich qualitativ stark von einem gewöhnlichen Polyester-Spachtel. Berufsleute, welche nicht auf dem aktuellen Stand der Technik sind, erachten das Auffüllen von Deformationen als Pfusch. Richtig angewendet ist es aber wesentlich besser als das falsche Richten mittels Push-P
Verweis 1: Quelle: Statista
Zurück zum Seiteninhalt